Die Zietenhusaren - Rathenow - Geschichte und Geschichten - Rathenow


Abbildung: Kupferstich von Merian, 1652

R a t h e n o w
ist die Kreisstadt des Landkreises Havelland. Die Gegend ist sehr wald- und wasserreich, und hat eine Fläche von ca. 4.500 ha.
Sie hat ca. 28.000 Einwohner und liegt an der westlichen Grenze des Landes Brandenburg.

Nicht nur seiner landschaftlichen Qualitäten, sondern auch seiner Geschichte wegen, ist Rathenow als Spiegelbild der industriellen, kulturellen, militärischen und sozialen Entwicklung Preußens, und damit auch Deutschlands, beachtenswert.

Geschichte:

1216
Erste urkundliche Erwähnung Rathenows unter der Bezeichnung "Rathenowe", durch den Markgraf (Bischof ) Siegfried II.
Entstehung Rathenows aus dem Großen und Kleinen Kietz und dem Dorf Jederitz.

1280
Errichtung der spätromanischen St. Marien-Andreas Kirche. Umgebaut im 15./16. Jahrhundert.

1295
Rathenow erhält durch den Markgrafen von Brandenburg Otto IV. das Stadtrecht.
Abbruch der Burg II (von ursprünglich 4 Burgen), dessen Steine zur Ausbesserung der Stadtmauer verwendet wurden.

1319
Bis zu diesem Jahr erhält Rathenow seinen gesamten Grundbesitz durch die askanischen Markgrafen.

1373
Rathenow erhält durch Kaiser Karl II. die eigene Gerichtsbarkeit.

1394
Verwüstung durch den Erzbischof von Magdeburg.

1414
Der Besitzer der Stadt, Dietrich von Quitzow, ergibt sich dem ersten hohenzollerschen Kurfürsten Friedrich I.

1540
Rathenow hat 2.500 Einwohner.

1575, 1576 und 1591
vernichtende Feuersbrünste

1648
Am Ende des 30jährigen Krieges hat Rathenow nur noch 40 Einwohner.

1653
Es sind nur noch 153 bewohnte Häuser, 16 verwüstete und 129 ledige Baustellen vorhanden.

1675 
- 21. Mai, Besetzung der Stadt durch die Schweden.
- 08. Juni, Eintreffen von 600 schwedischen Dragonern vor der Stadt
- 10. Juni, die 600 Dragoner dringen in die Stadt ein und zogen durch die Gassen 
- 15. Juni, Befreiung der Stadt von den Schweden durch den Großen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm, mit seinem Generalfeldmarschall Georg Freiherr von Derfflinger* und dem Landgrafen Friedrich von Hessen-Homburg
Am 18. Juni schlug der Große Kurfürst die Schweden vernichtend in der Schlacht bei Fehrbellin.



*Wikipedia zu Derfflinger: Georg von Derfflinger stieg vom Habenichts zum Feldmarschall und Edelmann auf, und alle seine Töchter heirateten Söhne aus alteingesessenen Adelsgeschlechtern, wie von der Marwitz, von Dewitz und von Zieten.

1685
"Edikt von Potsdam" vom 29.Oktober
Kurfürst Friedrich Wilhelm gewährt seinen "Glaubensgenossen französischer Nation" einige Privilegien.
Er empfahl, neben anderen Städten, die Ansiedelung in Rathenow, "weil daselbst sehr wolfeil zu leben".

1700 (ca.)
Rathenow wird Garnisonsstadt. Quartierort für das Kürassierregiment "Markgraf zu Pferde".
Einwohnerzahl etwa 2.100

1733
Auf Befehl Friedrich Wilhelm des I., wird ein neuer Stadtteil (Neustadt) errichtet, als Unterkunft für eine Garnison.

1736 - 1738
Errichtung des
Kurfürsten-Denkmals, von Johann Georg Glume, nach einem Modell von Barthlomé Damart.
Gestiftet wurde es von der gesamten märkischen Ritterschaft.

1738
Fertigstellung des neuen Stadtteils (Neustadt); die Besatzung besteht aus 2 Schwadronen Kürassiere.
Erhebung zum Leib-Karabinier-Regiment N° 11.

1740
Errichtung der Zollmauer.

1741
Errichtung des Berliner Tores.

1765 - 1767
Errichtung des Stadtteiles "Neufriedrichsdorf", für die Unterbringung der in Rathenow arbeitenden Weber.

1786
Rathenow zählt etwa 3.800 Einwohner und 700 Militärs.

1786 - 1790
Errichtung des größten Proviantmagazins der preußischen Armee.
Der Ort erhielt danach den Namen "Magazininsel", weil er völlig von der Havel umgeben ist.

1788
Verstärkung der Garnison mit dem frisch formierten III. Musketierbataillon des Infanterieregiments N° 36.

1790 (ca.) 
Der in Rathenow geborene Johann Heinrich August Duncker begründet die optische Industrie in Deutschland.

1792
Anlegung eines größeren Exerzierplatzes an der Berliner Heerstraße.

1798
Ersetzung des III. Musketierbataillons durch 2 Invalidenkompanien zweier Berliner Infanterieregimenter.

1800
Einwohnerzahl:
4.080 Zivilisten
677 Militärpersonen

1801
Rathenow bekommt von König Friedrich Wilhelm III. die Konzession zum Betreiben der "Optischen Industrieanstalt".
Die Pfarrer Duncker und Wagener beginnen mit der industriellen Produktion von geschliffenen Brillengläsern.
Rathenow wird "Stadt der Optik".

1815
Rathenow wird Kreisstadt.

1849
Beginn der politischen Karriere Otto von Bismarcks in Rathenow. Von hier aus wird er in den preußischen Landtag gewählt.

1851
Stationierung der Zietenhusaren in Rathenow.

1878
Bismarck wird Ehrenbürger der Stadt Rathenow.

ab etwa 1880
Die Stadt dehnte sich baulich nach allen Seiten aus. Die Stadttore fielen dem zum Opfer.

1885
Errichtung des Duncker-Denkmals von A. Calandrelli

1889-1891
Errichtung der Zietenhusaren-Kaserne in der Bahnhofstraße

1891
Am 3. August brannte, ausgelöst durch einen Blitzschlag, das königliche Frucht- und Mehlmagazin (Magazininsel) völlig nieder.

1893 - 1895
Errichtung des Kreishauses, unter der Leitung des Berliner Architekten Franz Schwechten.

1896
Rathenow hat 163 Firmen, die unmittelbar mit der Herstellung optischer Geräte und Brillen zu tun haben.

1905
Rathenow hat 23.096 Einwohner
In der Bahnhofstraße wird das Gerichtsgebäude gebaut.

1913
Rathenow hat 25.474 Einwohner

1. Bürgermeister Lindner als Ortspolizeibehörde: Gehalt 10.500 Mark
Polizei-Kommissar Diecke: Gehalt 2.400 bis 3.700, 200 Kleidergeld, 400 Wohnungsgeld
2 Polizei-Wachtmeister: Gehalt 1.600 bis 2.300, 100 Kleidergeld, 300 Wohnungsgeld
10 Polizei-Sergeanten: Gehalt 1.400 bis 2.100, 100 Kleidergeld, 210 Wohnungsgeld
8 Nachtwächter: 850 Mark
1 Wache (Polizeiwache)
2 Polizei-Hunde (Schäferhunde)
Innendienst: 1 Sekretär, 3 Assistenten, 5 Bürogehilfen
Jährliche Kosten: 74.000 Mark

Quelle: Kürschners Staatshandbuch 1913. 38. Ausgabe München 1913.
Dank an Rolf Selzer für die Bereitstellung der Daten.

1914
Errichtung (Fertigstellung) des
Bismarckturmes auf dem Weinberg, nach Plänen von Stadtbaurat Friedrich Sprotte.
Die kosten beliefen sich auf 70.000 Mark.

1925 - 1930
Errichtung der Pestalozzi- und der Jahnschule

1928 - 1930
Otto Haesler errichtet auf dem Friedrich-Ebert-Ring einen 5zeiligen Häusertrakt im Bauhausstil Dessau.

1930
rund 28.000 Einwohner, ohne Garnision

1933
Fläche: 43,16 km²
Bevölkerungsdichte: 649,7 Einwohner je km²
Einwohnerzahl: 28.043 (m. 13.660 / w. 14.383)
          - unter 14 Jahre: m. 2.476 / w. 2.374
          - 14 - 64 Jahre: m. 10.148 / w. 10.867
          - 65 Jahre und älter: m. 1.036 / w. 1.142 
Grundstücke: 2.168



1937
Abzug der Zieten-Husaren nach Göttingen. Eine Ära geht zu Ende.

1938
10. Oktober
Einwohner: 31.156 (ohne Garnison)
Anzahl der Wohnhäuser: 2.655
Anzahl der Haushaltungen: 10.587

1939
Bevölkerungszahl 31.600 (ohne Garnison)

1949 - 1953
Der Rathenower Konstrukteur Edwin Rolf baut das größte Brachymedial-Fernrohr der Welt.
 

1990
Rathenow zählt ca. 32.000 Einwohner

2006
Landesgartenschau


Abbildung: Ratenau; Federzeichnung von Daniel Petzold, 1710


Die Fehrbellinfeier in Rathenow
Originalzeichnung von Fritz Schulz

 

verschiedene Rathenower Interimskassenscheine

 

die Optik als Motiv

5, 10, 25 und 50 Pfennig

5 Mark


 

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